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Tu ma Kaffeepause – 05.11.08

An dem ganzen Drum-und-Dran von wegen „Midterm Examination“ war zumindest etwas Angenehmes: Für mich und die meisten anderen war es schon um kurz nach 10Uhr morgens gelaufen und wir hatten außergewöhnlich viel Zeit, beim Mittagessen (bzw. bei der Uhrzeit eher beim zweiten Frühstück) zusammen zu sitzen und zu quatschen etc. Was man eben so macht, wenn man zu viel Zeit zur Verfügung hat.

Nachdem es dann doch langsam zu langweilig wurde und es außerdem auf 12Uhr zuging, machte ich mich (wie fast jeden Tag) zusammen mit meinem belgischen Kumpel Renaat auf zur MRT Station, um uns dann allerdings auf getrennte Wege zu unseren Schulen zu machen.
Kaum trat ich jedoch in der Nähe meiner Schule aus dem Untergrund wieder in den Sonnenschein, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte: Heerscharen meiner Schulkameraden waren in Cheerleader Outfits gekleidet und kamen mir entgegen gelaufen, da ich zur Schule hinwollte und genau in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Man war das blöd…ich werde ja ohnehin schon immer angeglotzt (ja, auch wenn ich schon seit gut drei Monaten auf die Schule gehe und man sich eigentlich schon an meinen Anblick gewöhnt haben sollte), aber da mir alle entgegen kamen, konnte man mich überhaupt nicht übersehen und ich musste erstmal alle zwei Meter irgendwem zuwinken.

Das alles wäre ja jetzt eigentlich nur halb so schlimm gewesen, wenn ich nicht auch meine (mittwochs-) Klassenkameraden für meinen eigentlich anstehenden Malerei-Unterricht unter den Cheerleadern entdeckt hätte. Da ich von dieser ganzen Aktion nichts wusste (meine Lehrerin hat verpennt, mich aufzuklären…) war ich entsprechend überrascht über schockiert bis ratlos.
Dazu kam dann auch noch, dass meine Lehrerin irgendwie nicht auffindbar war, was für mich hieß, dass ich absolut planlos in meinen „normalen“ Klassenraum mit meinen (montags-, dienstags- und freitags-) Mitschülern einkehrte und meinen üblichen Sitz hinten rechts am Fenster in der letzten Reihe einnahm, wo ich mich dann schon einmal damit abfand, dass mir ein langer und extrem langweiliger Tag bevorstehen würde.

Einige Minuten später versuchte ich dann erneut, meine Lehrerin ausfindig zu machen, was dann doch zu gut geklappt hat, da ich sie fast über den Haufen gerannt hätte, weil wir uns beide gleichzeitig durch die Tür des „Teacher’s Office“ drängeln wollten. Na ja, immerhin habe ich sie gefunden…(Aber mal ganz im Vertrauen, die meisten Asiatinnen sind so schmächtig gebaut, das die nicht einmal für mich ein ernstzunehmendes Hindernis darstellen.)
Als meine herzallerliebste Lehrerin dann (gezwungenermaßen) feststellte, dass ich auch schon da war, wurden ihre Augen (die ohnehin schon nicht klein sind) auf einmal ganz, ganz groß, während ich fragend meine rechte Augenbraue hochzog und sie schmollend anglotzte (natürlich war das alles mehr oder weniger nur gespielt, um ihr schlechtes Gewissen ein wenig anzuregen, damit sie mich nicht wieder vergisst).
Es hat sogar ziemlich gut geklappt, denn sie fing sofort an, mich um Verzeihung „anzubetteln“ (ich kann schon ziemlich einschüchternd wirken im Gegensatz zu meiner 27-jährigen und extrem zierlichen Klassenlehrerin mit dem übergroßen Kopf – vor allem, weil ich ziemlich genau so „groß“ bin wie sie, dabei aber noch bedeutend schwerer gebaut und viel kräftiger XD *lach*), was mir aber eigentlich egal war, da ich keinerweise wütend oder dergleichen gewesen bin, ich hab es mehr oder weniger mit Humor genommen, da es sich ohnehin nicht mehr wirklich ändern ließ – was soll ich mich also unnötig aufregen. Und als sie nach zwei Minuten immer noch nicht aufhören wollte, sich zu entschuldigen, meinte ich nur (freundlich lächelnd) „Cut it out! I’m fine“  und bin einfach gegangen, während sie ziemlich baff da stand. So macht man das 😀 *zwinker*

Kaum war ich dann wieder im Klassenraum, wo ich es mir schon für ein (laaaanges) Nickerchen bequem machen wollte, kam meine Lehrerin auch schon wieder rein und rief mich zu sich. „Uups“, kam es mir in den Sinn, wobei ich allerdings ziemlich sicher war, dass ich nichts Böses angestellt hatte. Aber darum ging es dann letztendlich auch gar nicht, sondern viel mehr darum, ob ich nicht Lust hätte, mit ihrer Kollegin (englischer Name Anthony – warum auch immer – 27 Jahre alt, ziemlich aufgedreht, ziemlich sympathisch) eine Kaffeepause zu machen. Völlig begeistert darüber, dass mein Tag doch nicht ganz im Arsch war, nahm ich die überaus freundliche Einladung dankend an und machte mich so gleich auf den Weg, meinen Rucksack aus dem Klassenraum zu holen.

Kurz darauf sollte es dann auch schon losgehen, aber nicht bevor noch von irgendeinem Regal ein verstaubter Schutzhelm für mich gezaubert wurde, der unerlässlich ist, wenn man auf einem Motorroller mitgenommen wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir das Herz für den Bruchteil einer Sekunde in die Hose rutschte, als die Lehrerin ankündigte, dass wir ihren Roller benutzen würden, was sich dann aber schnell in Gegenteil – nämlich Freudensprünge – umwandelte, da ich schon seit geraumer Zeit mal wieder auf einem Roller mitgenommen werden wollte.
Zwar war mir der Schutzhelm letztendlich viel zu groß und der Roller meiner Lehrerin für meinen Geschmack etwas zu rostig, das war mir aber ziemlich schnell ziemlich egal, denn es ist ein unheimlich geniales und irgendwie beflügelndes Gefühl, mit einem Roller durch Taipeis Straßen zu düsen – vorbei an Autos und zwischen Bussen hindurch, im ständigen Zickzack, um nicht um- oder angefahren zu werden.
Und die Aussicht! Vom Motorroller aus hat man einfach die beste Perspektive, die man allerdings nur genießen kann, wenn man nicht selber fährt – das könnte fatale Folgen haben, denn wenn man einen Augenblick nicht aufpasst, ist es vielleicht schon zu spät und man klebt am Heck des nächsten Busses.

Wir fuhren gut eine halbe Stunde, vielleicht auch ein wenig länger, vorbei an Geschäften und Kaffees in allen möglichen Formen, Farben und mit den verschiedensten Zwecken, während wir eine ausgelassen Konversation sowohl in Englisch als auch Chinesisch führten, bis wir dann an einem ganz besonderen Laden anhielten. Also so besonders war es jetzt doch nicht, denn es handelte sich bei dem Geschäft um eine kleine, aber ordinäre Tierhandlung, die mir Anthony (die Lehrerin) unbedingt zeigen wollte, da sie, wie sie mir verriet, von Zeit zu Zeit immer mal wieder in diesen Laden hereinschaute. Das einzig Besondere darin, war jedoch „nur“ eine „Hauskatze“, die sich, wie es schien, von jedem streicheln lies, auch wenn es sie im Endeffekt gar nicht weiter interessierte, da sie einfach damit weiter machte, sich das Fell zu putzen.

Keine zwei Minuten brachten wir in dem Laden zu, bevor wir dann auch schon wieder die Straßen unsicher machten und zum „Büro“ eines guten Designer-Kumpels meiner Lehrerin fuhren, wo ich mich erst einmal von dem schrecklichen Oberteil meiner Schuluniform befreite und gegen ein T-Shirt eintauschte.
„Was designed der Kumpel denn so?“, mag sich der ein oder andere jetzt Fragen…Ja, genau weiß ich das um ehrlich zu sein nicht, aber ich weiß, dass er mit seinen Kollegen unter anderem Grafiken für Motorradhelme entwirft und diese in einem eigenen Laden vertreibt.

Blub…mit diesem guten Freund, dessen Namen ich vergessen hatte, machten wir uns dann (im Auto) auf den Weg zum einem Coffee-Shop, wo der Freund des Kumpel der Lehrerin arbeitet und wo es angeblich auch noch verdammt guten Kaffee geben sollte, wer hätte das von einem Coffee-Shop erwartet?
Da der Shop aber erst um drei Uhr nachmittags öffnen sollte, wir allerdings schon gegen kurz nach zwei da waren, mussten wir noch ein wenig Zeit totschlagen. Meine Lehrerin und ich taten dies, indem wir, während wir ohne Unterlass mit einander redeten,  einen ausgelassenen Spaziergang im nahe gelegenen Park genossen – auch wenn das ganze bei um die 30°C und strahlendem Sonnenschein eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit war.

Pünktlich um drei Uhr kamen wir dann endlich dazu, unsere Kaffeepause zu machen, die wir alle wirklich verdient hatten (oder zumindest ich, schließlich hatte ich ja „gerade“ eine unheimlich wichtige Prüfung hinter mir). Und ich sage euch eins, der Kaffee Latte war zum Dahinschmelzen lecker, wirklich wahr! Ich hätte glatt noch einen vertragen können 😀 (aber seit ich gelesen habe, dass schon drei Tassen Kaffee am Tag die Oberweite schrumpfen lassen können, bin ich da doch lieber vorsichtig XD). Außerdem mussten wir so langsam auch mal wieder zurück zur Schule….warum eigentlich?

Zurück zur „Hsieh He“ Leeranstalt fuhren wir dann natürlich auch wieder mit dem Roller und dieses Mal direkt am Taipei 101 (in Pinyin-Chinesisch „yi ling yi) vorbei, wo ich erst einmal staunend in den Himmel schaute und versuchte, die Spitze des Turmes zu erspähen, was mir allerdings nicht gelungen ist.
Kurze Zeit später parkten wir auch schon wieder vor der Schule und ich musste mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen meine Uniform wieder überwerfen, wobei mir Anthony freundlicherweise zur Hand ging – diese blöden Uniformoberteile können ja so wiederspennstig (ich hab keine Ahnung, ob man das so schreibt und in diesem Fall ist mir Word auch keine große Hilfe) sein. Nebenbei bemerkte meine Lehrerin dann noch, sehr zu meiner Befriedigung, dass ich gut rieche und hat es mir auch prompt gesagt (wie sonst hätte ich es auch erfahren sollen?). Ich dachte nur so „Rexona sei Dank“ und habe das Kompliment (war doch wohl eins oder?) dankend angenommen, was hätte ich auch sonst machen sollen? *lach*

Scheiße, schon bei Seite vier angekommen und ich bin immer noch nicht fertig 😛

Normalerweise hätte ich nach dieser ganzen Aktion immer noch eine Stunde Unterricht gehabt bzw. auf jeden Fall in der Schule bleiben müsse, da mein Stundenplan aber ohnehin schon völlig aus dem Ruder gelaufen war, meinte meine Klassenlehrerin (nicht Anthony sonder in diesem Fall „Green“ – ja, ja, ich weiß, wie kommen die nur immer auf solche Namen?), ich könnte einfach im Lehrerzimmer bleiben, was ich dann auch gemacht habe – so konnte ich mich wenigstens nebenbei noch recht nett unterhalten…

Alles in allem hatte ich also (mal ganz abgesehen von der langweiligen Prüfung) einen ausgesprochen netten Tag…

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