03
Mai
09

Das Ende eines enttäuschenden Tages

Bevor ich jetzt von meinem Tag erzähle, möchte ich meine rotarischen Freunde und Bekannte herzlich bitten, einfach mal weg zu lesen, da ich an dieser Stelle über die absolut grenzenlose Unfähigkeit der taiwanischen Rotarier berichten möchte – und so, wie ich mich kenne, wenn ich schlecht gelaunt bin, wird es sicher nicht hübsch…Wehe, es meint hinter her irgendwer, ich hätte ihn nicht gewarnt.

Samstag. Der bisher schönste Tag der Woche. Die Sonne scheint mit herrlichen 30°C vom Himmel herab, an dem kein einziges Wölkchen zu sehen ist. Hin und wieder kühlt eine laue Brise erhitzte Gemüter und schwitzende Austauschschüler, die sich auf dem Weg zu alljährlichen Distrikt Konferenz im Taibei Grand Hotel befinden. Um 14Uhr soll man sich im 12. Stock des Hotels einfinden.

Aber wie bitte kommt man dahin? Tja, Rotary weiß alles: „Get off at this station and take a shuttle bus“, soweit die Anweisungen. Wo jetzt genau dieser Shuttle-Bus abfährt und in welchen zeitlichen Abständen und wie und was und überhaupt wird vorsichtshalber einfach mal ausgelassen, was dann dazu führt, dass sich ein Haufen planloser Inbounds vor der richtigen MRT-Station tummelt, ohne zu wissen, wo genau sie jetzt eigentlich hinsollen. Dabei sehen sie dann auch noch ganz schön bescheuert aus, da sie komplett ausgerüstet mit ihren leuchtend weißen Rotary-T-Shirts und ihren unübersehbaren Blazern blöde, fast wie verloren gegangene Kühe, in der Gehend herumstehen und große Augen machen.

Einmal (nach dem ein oder anderen Umweg) am Hotel angekommen, ist die Freude erst einmal groß: Die Rotarier haben sich mal wieder ordentlich was geleistet, denn das „Grand Hotel“ ist nun wahrlich keine billig-Absteige, nein, nein ganz im Gegenteil, das Essen und die Austattung und das ganze Drumherum sind vom Allerfeinsten…wovon die Austauschschüler, die vor Hunger so ziemlich am verrecken sind, natürlich wieder nichts zu sehen bekommen…Warum sollte man denn auch bitte Geld für die Idioten rausschmeißen?

Na ja, zumindest kann man die hoheitlich-rotarische Präsenz (und damit auch seinen Weg zum Versammlungsort) keineswegs verfehlen, da das ganze (groooooooooooße) Hotel mit hunderten von Rotary-Flaggen ausgestattet ist…nur mal so am Rande erwähnt.

Zu guter letzt (sorry, ich muss hier wirklich komplett ohne Rechtschreibprüfung arbeiten) habe ich es dann auch in den 12. Stock geschafft, um mich so gleich zu meinen anderen deutschen Kameraden zu gesellen, denn es ging daran, eine kurze Performance zusammen mit den Outbounds vorzubereiten, wovon man uns VORHER allerdings nichts gesagt hatte, das ganze kam etwas überraschend, weshalb und worüber nicht unbedingt jeder ausgesprochen glücklich war. Man könnte mit der Zeit tatsächlich meinen, die taiwanischen Rotarier haben wirklich Spaß daran, sich beschissene, unvorbereitete Vorführungen anzuschauen – heute wäre nicht das erste Mal, dass sie uns so…in die Scheiße reiten. Würde man uns mal ins Bild setzen, könnten wir ja wenigstens versuchen, uns irgendwas Nettes für die Performance auszudenken, aber sowas ist da wohl eher Wunschdenken…

Anyway, wir haben uns dann am Ende dafür entschlossen, lauthals „Viva Kolonia“ zu gröhlen, womit die Outbounds, die ja noch kein vernünftiges Deutsch konnten, auch locker zurecht kamen… Das war dann aber noch nicht alles: Ein Lied auf  Taiwanisch sollten wir auch noch alle zusammen singen, was sich ziemlich katastrophalisch anhörte, auch wenn man uns ausnahmsweise im Vorfeld mitgeteilt hatte, dass wir diesen Song üben sollten.

Tja, also weiter geht’s…Wir übten unsere Performances gut 2 Stunden lang, bevor alle 60 Austauschschüler in einen anderen Raum ohne nennenswerte Aircondition eingesperrt wurden, wo wir weiter auf unseren Auftritt warten sollten. Bis zu diesem Zeitpunkt, hatte man uns weder einen kleinen Snack noch etwas zu trinken vorbeigebracht, was nicht gerade Hochstimmung unter uns verbreitet, da keiner von uns daran gedacht hatte, seinen eigenen Proviant mit zu bringen, da wir den Nachmittag schließlich in einem Hotel verbringen sollten und dachten, man würde uns wenigstens mit einer klitzekleinen Kleinigkeit den Tag versüßen, schließlich ist Rotary ja sonst auch so großzügig – falsch gedacht.

Nach einigem Rumgemecker unsererseits, hatte man dann doch mitleid mit uns und hat einige Flaschen Wasser verteilt, die wir kurz darauf schon wieder abstellen mussten, weil man uns aus dem stickigen Raum, in dem wir alle warteten, in den Konferenzraum scheuchten, wo uns gleich die nächste Überraschung erwartete: Die Halle war beinahe komplett leer und es schienen mehr Austauschschüler, als Rotarier anwesend zu sein, da diese sich im Vorfeld aus dem Staub gemacht hatten – aus welchen Gründen auch immer…

Eine zweite Überraschung folgte umgehend der ersten, als man uns mitteilte, dass wir doch nicht singen brauchten, nicht einmal vorstellen sollten wir uns noch. Das ganze lief am Ende so ab, das wir kurz auf der Bühne aufmaschierten unsere Gesichter zeigten und nachdem ein paar Fotos geknippst wurden, scheuchte man uns wieder aus dem Saal und zurück in den Raum, in dem wir zu Beginn der Veranstaltung noch geübt hatten…Diese Überraschung wurde von uns Austauschschüler und den als Unterstützer anwesenden Rotexern allerdings überhaupt nicht gut aufgenommen, weil unsere ganzen Bemühungen letztendlich doch für die Katz gewesen sind.

Bevor man uns dann endlich aus unserem Dienst entlies, entschuldigte man sich noch in aller Eile, ohne jedoch zu erklären, wie und warum unsere Anstrengungen einfach so mit den Füßen getreten wurden…keine 5 Minuten später waren wir auch schon wieder raus aus dem Hotel und dazu richtig schön enttäuscht – und ich meine tatsächlich richtig enttäuscht. Da versucht man einmal, wirklich sein ganzen Herz in eine Sache rein zu stecken, um nicht immer als grummelige Nervensäge dazustehen und den angehenden Outbounds einen guten Eindruck zu vermitteln und einfach mal richtig gute Stimmung zu machen und dann bekommt man grundlos ein nettes Steak-Messer in den Rücken gesteckt – fühlt sich nicht besonders toll an.

So eine Enttäuschung, ich bin nicht einmal wütend, ich bin einfach nur enttäuscht, so hatte ich mir das sicher nicht vorgestellt…

Dabei sagt mein Gastvater doch immer, dass es besser ist wütend zu sein, weil das ein Zeichen dafür ist, dass einem etwas auch wirklich wichtig ist. Nein, ich bin wirklich nicht wütend…


So viel zu meinem glorreichen Samstag. Outbounds dieser Welt, lasst euch bloß nicht von meinen Erlebnissen abschrecken, die Rotexer haben mir versichert, dass dieses Jahr bei weitem das Schlechteste war, auch wenn es jedes Jahr ziemlich ähnnlich läuft, wenn auch nicht ganz so schlimm…

In diesem Sinne, bis gestern!

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2 Responses to “Das Ende eines enttäuschenden Tages”


  1. 4. Mai 2009 um 00:07

    Hallo Schätzchen! Tut mir echt leid, dass ausgerechnet ein Samstag und dann noch eine Rotary – Veranstaltung sooo beschissen gelaufen ist! Hoffe, die hiesige Distrikt-Versammlung Anfang Juni läuft für die In- und Outbounds entscheidend besser.
    Halt die Ohren und alles andere steif! Bussi

  2. 2 Lulu
    4. Mai 2009 um 20:58

    sssooooo hat die blondine es nun auch mal wieder zu dir aufn blog geschafft…
    dein artikel is echt interessant^^ er erinnert mich irgendwie an den schönen comenius aufenthalt auf malta (danke an dieser stelle nochmal an die EU die uns diesen urlaub so bereitwillig finanziert hat 😛 )…da wurden unsere zimmer auch erst gebucht als wir im flieger saßen und unsere wunderschönen powerpoint präsentationen wurden auch nie gezeigt…;) 😉 ich kann dich also gut verstehen…
    ich hätt ja gerne ein viedeo von viva colonia mit dir am grölen gehabt… 😉 😉
    überhaupt kommt die filmerei bei den partys in letzter zeit viel zu kurz…also wenn du wieder hier bist musst du das elend endlich wieder auf deiner cam festhalten!! 😉

    also halt die ohren steif…vermiss dich<3
    hab dich liiieeebbb


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